Für das Leben lernen

Auf Seneca geht der Satz zurück „Nicht für die Schule, sondern das Leben lernen wir.“ Doch wie sollen Schülerinnen und Schüler sich derzeit auf das Leben vorbereiten, wenn die Schulen geschlossen sind, Lehrinhalte im Distanzunterricht vermittelt werden sollen, weder Lehrende noch Lernende noch deren Eltern auf eine solche Situation vorbereitet sind und schließlich noch die Technik streikt. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal gilt für die Schule das gleiche wie in allen anderen Lebensbereichen: Es gibt gute und weniger gute Vertreter eines Berufes oder einer Zunft, und so gibt es gute und weniger gute Lehrer, wie es auch gute und weniger gute Schülerinnen und Schüler gibt. Häufig sind es die jüngeren Pädagogen, die mit digitalen Anwendungen vertrauter sind, sich leichter in das neue Lehren aus der Ferne einfinden. „Nur leider wird ihnen oftmals ein Strich durch die Rechnung gemacht, weil die Technik nicht funktioniert“, stellt Julian Roth fest, Kandidat der Freien Demokraten für die Stadtverordnetenversammlung in Hofheim und Vater von zwei schulpflichtigen Jungen.

Überhaupt zeigt sich die Digitalisierung an den Schulen als ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Distanzunterricht. Server stürzen ab oder verfügen nicht über ausreichende Kapazitäten. Auch sind die vorhandenen digitalen Lernplattformen nicht auf die Last vorbereitet, wenn sämtliche Schüler nahezu gleichzeitig für Online-Veranstaltungen darauf zugreifen. Und dies setzt voraus, dass sowohl Lehrer als auch Schüler zu Hause über moderne Tablets oder Laptops verfügen und – weil sonst alles nicht hilft – eine schnelle und stabile Internetverbindung. Wir erinnern daran, dass der Glasfaserausbau in den Hofheimer Stadtteilen zwar voranschreitet, dass wir uns aber seit nunmehr fast einem Jahr mit den vorhandenen Internetkapazitäten begnügen müssen.

Für Grundschüler stellt der Digitalunterricht keine zufriedenstellende Lösung dar. „Während unser zwölfjähriger Sohn im Gymnasium jeden Tag am Unterricht über Videokonferenzen teilnimmt, erhält der zehnjährige in der Grundschule das Unterrichtsmaterial in Papierform“, weiß Ralf Domann zu berichten, ebenfalls FDP-Kandidat für die Stadtverordnetenversammlung und auf Platz eins der Liste für den Ortsbeirat Wallau. Glücklich die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern in der Lage sind, im Home Schooling zu unterstützen, die die Zeit finden, über die erforderlichen Kenntnisse verfügen und letztendlich auch die Lust und Geduld dazu aufbringen.

Wir müssen davon ausgehen und uns darauf einstellen, dass die Lernfortschritte bei Schülerinnen und Schülern ein und derselben Klasse, ein und derselben Schule und ein und derselben Jahrgangsstufe im Distanzunterricht deutlich heterogener ausfallen werden. Lehrpläne sind anzupassen, um sicherzustellen, dass temporäre Lerndefizite sich nicht zu dauerhaften Schwächen auswachsen und damit die Klassenziele nicht mehr erreicht werden können. Für die Lehrerschaft sind Fort- und Weiterbildungen in Medientechnik und Mediendidaktik unerlässlich, um den veränderten Anforderungen gerecht zu werden und um zu abgestimmten digitalen Lerninhalten zu gelangen.

Wir erleben derzeit einen kulturellen Wandel von einem reinen Präsenzunterricht zu digitalen Lehrangeboten, den es zu gestalten gilt. Jeder Wandel birgt Chancen. Um diese Chancen für alle Beteiligten nutzbar zu machen, Kinder und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten, bedarf es geeigneter Konzepte und zentrale Unterstützungsangebote für Schulen. Michaela Schwarz, Kandidatin der Freien Demokraten für die Stadtverordnetenversammlung und den Kreistag, fordert daher: „Es gilt, angemessene Rahmenbedingungen für die Vermittlung von Bildung zu schaffen: Hierzu zählen neben einer modernen digitalen Ausstattung von Lehrenden und Lernenden ein schnelles Internet in den Schulen und Zuhause sowie ein hauptberuflicher IT-technischer Support an den Bildungsstätten.“