Wohnen und leben in Hof Ehry

Im Gespräch mit Ralf Weber, Experte für Stadtentwicklung und Kandidat der FDP Hofheim für die Stadtverordnetenversammlung.

Herr Weber, die FDP Hofheim will die Altstadt stark machen. In ihrem Wahlprogramm schreibt sie, dass die Sanierung und neue Nutzung des Hofes Ehry am Kellereiplatz in der kommenden Legislaturperiode ein wichtiger Meilenstein sein wird. Wieso ist der Ehry-Hof von so zentraler Bedeutung für die Hofheimer Altstadt?

Der Ehry-Hof liegt nicht nur mitten in der Stadt, sondern ist wegen seiner Nähe zum Stadtmuseum und zum Kellereigebäude ganz besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Zudem ist der Hof als großer Vierseiten-Hof mit Torfunktion zur Burgstraße ein Einzeldenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes.

Was macht aus denkmalschutzpflegerischer Sicht den besonderen Reiz des Hofes aus?

Das Gebäude steht mit seiner Traufe zur Burgstraße hin, es ist voll zweigeschossig mit einem relativ hohen Sockel, der die Mächtigkeit des Gebäudes unterstreicht. Errichtet wurde es vermutlich im 19. Jahrhundert mit verputzter Fassade. Schön ist auch die regelmäßige Achsenteilung mit dem mittigen Eingang und den Sandsteingewänden der Fenster und Türen. Ebenfalls bedeutend ist die Scheune, es ist anzunehmen, dass an ihrer Stelle die ehemalige Zehntscheune stand. Die Außenwand zum fußläufigen Durchgang besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Bruchsteinmauerwerk, das früher Teil der Stadtmauer gewesen sein könnte.

Wie sieht die Planung der Stadt für das Anwesen aus?

Hier gab es in der Vergangenheit verschiedene Überlegungen zur Nutzung des Gebäudes. Das ist löblich, denn das Ensemble gehört der Stadt Hofheim und soll nicht nur erhalten bleiben, sondern auch einem sinnvollen Zweck zugeführt werden.

Welche öffentlichen Nutzungsmöglichkeiten wären denkbar?

Es ist darüber gesprochen worden, Hof Ehry zum Haus der Jugend umzubauen, auch andere öffentliche Nutzungen wurden diskutiert. Leider sind die mit einer solchen Nutzung verbundenen Umbau- und Sanierungskosten viel zu hoch, hier könnten leicht 2 Mio. Euro zusammenkommen.

Warum ist eine solche Restaurierung so unglaublich teuer?

Das hat zwei Ursachen: Die eine ist, dass eine Nutzungsänderung in einem Bestandsgebäude immer teuer kommt. Wenn ein Wohnhaus zu öffentlicher Nutzung umgebaut werden soll, bedeutet das einen gewaltigen Eingriff in Statik, Gebäudestruktur, Be- und Entwässerung sowie Erschließung. Man konnte am Kellereigebäude sehen, welch enorme Kosten entstanden sind, um das Gebäude für eine öffentliche Nutzung herzurichten.

Und zweitens sind immer dann, wenn eine öffentliche Nutzung gewünscht wird, umfangreiche Vorschriften zu beachten. Die Anforderungen sind sehr hoch, zum Beispiel im Bereich Brandschutz.

Halten Sie denn überhaupt eine Nutzung für einen öffentlichen Zweck machbar?

Grundsätzlich ja. Man muss sich aber fragen, ob der zu betreibende Aufwand in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht. Aus denkmalschutzpflegerischer Sicht bin ich eher dagegen, ein Wohnhaus – und nichts anderes war das Hofgebäude – für eine öffentliche Nutzung umzuwidmen.

Wie sehen denn alternative Nutzungen aus?

Meines Erachtens ist es immer am besten, das Objekt so zu nutzen, wie es ursprünglich gedacht war, und zwar als Wohnhaus.

Aber doch nicht als Einfamilienwohnhaus?

Nein, das Gebäude war früher ein Mehrgenerationen-Wohnhaus, die Nutzung ging über insgesamt drei Ebenen. Relativ geringe Eingriffe wären erforderlich, bis zu fünf Wohneinheiten anzulegen.

Wer soll das machen, und wer soll dort wohnen?

Ich persönlich bin für eine Reprivatisierung auf Zeit im Rahmen einer Erbpacht-Vereinbarung. Ein privater Investor wäre in der Lage, den Wohntrakt des Hofes Ehry in ein Mehrfamilienhaus umzubauen. Die Stadt könnte die Erbpacht daran knüpfen, dass der Privatinvestor verpflichtet wird, die Wohnungen für einen bestimmten Zeitraum vergünstigt, zum Beispiel an Sozialmieter, zu vermieten.

Einer möglichen Lärmbelästigung der Mieter bei städtischen Veranstaltungen könnte mit einem maximalen Lärmschutz begegnet werden, der ebenfalls vertraglich festzuschreiben wäre. Eine solche Lösung könnte gerade für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger attraktiv sein, die ein innenstadtnahes Wohnen anstreben.

Bei entsprechender vertraglicher Gestaltung kann sich ein solches Arrangement für alle Beteiligten rechnen und würde den Hof Ehry als Kleinod der Hofheimer Altstadt bewahren.

Und an welche Nutzung denken Sie bei der Scheune und dem Hof?

Scheune und Hof eignen sich für eine gastronomische Nutzung. Der Hof ist wunderschön. Das Ambiente bietet sich für eine Äppelwoi-Kneipe an. Jeder kennt die Lokale in Sachsenhausen, die das hessische Nationalgetränk ausschenken. Genau das könnte ich mir dort hervorragend vorstellen und würde den Hof Ehry zu einem überregionalen Anziehungspunkt machen.